Datenblatt: Dionaea muscipula
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Betreuung / Pate: Martin Brunner
Stand dieses Datenblatts: 1. Juli 2003
dt. Name: Venusfliegenfalle
engl. Name: Venus Fly Trap bzw Venus Flytrap
Die wissenschaftl. Bezeichnung "Dionaea"
kommt von "Dione". Sie ist die Mutter der griechischen Liebesgöttin Aphrodite. Grund für diese Namensgabe war ihre eigenwillige Schönheit.
Die Bezeichnung "muscipula" heißt übersetzt "Mausefalle", denn hier liegt ein kleiner Schreibfehler oder Übersetzungsfehler des Namensgebers vor: "Fliegenfalle" heisst nämlich "muscicipula"
Gehört zur Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae) und ist die einzige Art dieser Gattung.
Entdeckungsgeschichte:
1759: A. Dobbs bezeichnet die Venusfliegenfalle als "catch fly sensitive" - erkennt jedoch nicht, dass die Tiere als Nahrung dienen.
1768: J. Ellis beschreibt die Venusfliegenfalle unter ihrem heutigen Namen und erkennt dabei die besonderen Eigenschaften der Art.
1834: M. A. Curtis beschreibt detailliert den Fangmechanismus.
Beschreibung:
Allgemeines:
Diese eindeutig karnivore Pflanze mit ihrer aktiven Klappfalle ist wohl die bekannteste karnivore Pflanze - und auch eine der am Faszinierendsten. Sie wird jedes Jahr in fast allen Baumärkten mit "Pflanzenecke" angeboten und in Massen von Personen als lebender "Fliegenfänger" gekauft.
Verbreitung:

Finden kann man die Pflanze im 100km Umkreis von Wilmington,
also an der Atlantikküste im südlichen Teil von North
Carolina (und kleiner Teil des Nordostens von SouthCarolina),
USA. Seit 1978 ist ein Standort in Nordwest-Florida bekannt (vermutlich
ausgesetzte Pflanzen). Ausgesetzte Pflanzen kommen inzwischen
sogar in fremden Ländern vor: Großbritannien und Neuseeland.
Sie wächst dort in sehr sandigen, schilfgrasbewachsenen Moorgebieten/Sumpfgebieten
mit feuchtwarmem Klima. Schnee und längere Fröste sind
im Winter eine Seltenheit. Die Sommertemperaturen dort können
Nachmittags auf 35°C (und zeitweise) mehr klettern. Die Luftfeuchtigkeit
erreicht dann fast 100%. Der sandige Boden ist am Naturstandort
leicht sauer (pH 4 - 5).
Naturschutz:
Ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen seit dem 1. Juni 1992 durch den Anhang II streng geschützt. Seit dem 1. Juni 1997 auch im EC Reg. 338/97 zu finden.
Es drohen hohe Geldbußen (mehrere Tausend $). Dadurch wurde zumindest der Rückgang der Pflanzen durch Sammler soweit gestoppt. Ein bestehendes Problem ist jedoch die fortschreitende Zerstörung der Lebensräume.
Pflanzenaufbau:
Rosettenbildende Pflanze mit ca. 15cm-30cm Durchmesser (je nach Jahreszeit).
Die Falle:
oben: D.m. dentata und D.m. sawtooth unten: Der Schließvorgang - für mehr Details bitte auf das Bild klicken. ![]() |
Im Allgemeinen wird der Fangapparat bis ca. 3-3,5cm groß. Das absolute Maximum bei normalen Pflanzen ist im höheren Alter und bei guten Bedingungen knapp 5cm. Es gibt jedoch eine spezielle Züchtung bei der die Fallen besonders groß werden. Die Falle besteht aus 2 gezahnten Blatthälften (mit 15-20 "Zähnen"). Je nach Varietät und erhaltener Lichtmenge weisen diese eine unterschiedliche Ausfärbung. So gibt es grünlichgelbe Formen (Dionaea muscipula "yellow"), immer grün bleibende Formen (Dionaea muscipula "hetradoxa") bis dunkelrote Formen (D.m. "dark red" bzw "red dragon"). Im Allgemeinen sind die Fallen grün und bekommen bei genügend Sonne Innen eine rote Färbung. Ebenso gibt es Varietäten verschiedener Zähne am Fallenrand. Die Varietät mit besonders kurzen Zähnen ist die "dentata", mit zusammengewachsenen Zähnen wird "sawtooth" genannt. Am Blattrand, vor den "Zähnen" kommt eine schmale Nektarzone um Insekten zu verführen. In der Falle befinden sich meist 3 (z.t. 4) Fühlerborsten pro Blatthälfte, die das schlagartige Zusammenklappen auslösen. Hierzu müssen 2 Fühlerborsten (oder eine Borste 2x) kurz nacheinander (innerhalb von 20s) berührt werden. Durch das Umbiegen der Fühlerborste wird ein elektrisches Feld (Potentialänderung des Membranpotentials von -160mV auf -50mV) "erzeugt". Es wird eine Verschiebung der Calciumkonzentration in den Zellen ausgelöst, die dann das Zusammenklappen auslöst. Das Zusammenklappen erfolgt dann in einer 1/20 Sekunde (bei Idealbedingungen), kann aber auch wesentlich länger dauern (ungünstige Witterungsbedingungen oder falsche Kulturbedingungen). Ist eine Beute gefangen sprechen Eiweißrezeptoren (über chem. Reizung--> Chemonastie) an, die die Produktion der Verdauungssekrete (eiweißabbauende Enzyme --> Proteasen) auslösen. Die Blatthälften werden weiter zusammengepresst ("weichschalige" Insekten können sogar zerdrückt werden). Es werden nun verwertbare Bestandteile aufgelöst und über die in der Falle befindlichen Drüsen aufgenommen. Nach Verdauung öffnet sich das Blatt wieder - übrig ist der leere Chitinpanzer des Insekts. Die Verdauung dauert je nach Beutegröße zwischen ein paar Stunden bis zu 2 Wochen (im Allgemeinen 3-5Tage). Da die Bewegung und das Verdauen das Blatt "stressen" ist dieser Vorgang nicht beliebig wiederholbar. Nach insgesamt 7(-10) Bewegungen oder (2-)3 Mahlzeiten stirbt das Blatt ab. Ist die Beute zu klein kann sie zwischen den "Zähnen" des Blattrandes durchkriechen - es erfolgt bei geschlossener Falle keine Weiterreizung: Die Falle öffnet sich wieder (innerhalb von ca. 24h). Ist die Beute zu Groß (etwa 3/4 der Blattgröße oder größer) führt dies zum Absterben des ganzen Blattes (Schimmelbildung). hier klicken für Mikroskopaufnahmen der Falle (Auslöseborsten, Verdauungsdrüsen,...) |
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Bild von Colin H. Clayton : Einige interessante
Varietäten der Venusfliegenfalle.
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Das gesamte Blatt:
Je nach Jahreszeit besitzt das gesamte Blatt eine unterschiedliche Form.
Ende Frühjahr/Anfang Sommer bildet die Pflanze dünne, langstielige Blätter die meist senkrecht in die Höhe stehen. Sie sind mit Falle bis zu 18(-20cm)cm lang. Es gibt einige Kulturpflanzen, die diese Sommerblätter nicht ausbilden (trotz genügend Sonne,...). Zur restlichen Zeit sind die Blätter (mit Falle) ca. 10-11cm groß. Der untere Teil (ohne Falle) ist 2-3cm breit und besitzt eine Herzform.


Blüte:
Die Venusfliegenfalle blüht im Allgemeinen im Mai-Juli. Die Blütenstiele sind ca. 30 cm (13 bis 40 cm) hoch. Selten sind pro Blütenstängel mehr als 2 Blüten (von den 3-10 Blüten) gleichzeitig geöffnet. Die Blüte selbst (2,5 - 3 cm groß) ist weiß und besitzt 5 Blüten-Blätter.
Um Samen zu gewinnen werden 2 genetisch unterschiedliche Pflanzen benötigt. Es scheint jedoch einige Klone zu geben, die selbstfertil sind (d.h. man kann die Pflanze mit sich selbst bestäuben). Die Samenkapseln enthalten viele Samen. Die 1 mm großen Samen sind nach ca. 6 Wochen reif. Infos zur Vermehrung:
Siehe weiter unten.
Hinweis: Die Blüte schwächt die Pflanze sehr (es werden z.B. kleinere Fallen gebildet). Sie wird daher von Züchtern im Allgemeinen unten (direkt wo sie "herauskommt") abgeschnitten, da eine Vermehrung über Blattstecklinge einfacher und schneller ist.
Wurzeln:
Die Venusfliegenfalle bildet ein sogen. Rhizom (= Wurzelstock). Dieser ist 10 bis 15cm tief.
Kulturbedingungen:
Die Pflanze kann auch im Freien (Moorbeet) gehalten werden. Bei Zimmerhaltung ist einiges zu beachten.
Die Pflanze unterliegt einem "Wachstums-Ruhe-Zyklus" der bei der Kultur zu beachten ist --> siehe dort.
Wachstums-Ruhe-Zyklus:
Ende Frühjahr:
Es werden lange, dünne Blattstiele gebildet, die oft senkrecht
in die Höhe stehen. Die Idealtemperatur für die "aktive
Zeit" liegt um 25°C.
Mai - Juli = Blütezeit
Sommer:
Im Sommer herrschen im Durchschnitt Tagestemperaturen von etwa 26°C (Temperaturbereich 9-34°C.).
Herbst:
Die Blattstiele werden kurz und breit. Fallen auch etwas kleiner.
Beginn der Ruhezeit (Anfang/)Mitte-Ende Oktober. Sichtbar durch
die Bildung kleinerer Blätter mit winzigen Fallen; die Sommerblätter
werden schwarz: Nun einen hellen, kühlen Standort wählen,
mäßig feucht halten. ca. (5-)10°C
Winter:
Die in der Natur vorkommende Pflanze ist nur "leicht"
winterhart - in der Heimat sind nämlich nur recht milde Winter.
Etwas anders siehts schon mit den hier erhältlichen Kulturformen
aus: Sie übersteht daher auch einen leicht frostigen Winter
(um -5°C; sie stirbt dann oberirdisch vollkommen ab, unterirdisch
bleibt ein zwiebelähnliches, knolliges Gebilde). Daher können
viele Pflanzen von Züchtungen im Freien gehalten werden.
Härtere Fröste von -10°C - kurzzeitig auch -15°C (robuste Pflanzen
- also spezielle "Winterzüchtungen" auch -15°C bzw kurzzeitig -20°C)
werden von älteren, gesunden Pflanzen ebenfalls überstanden. Regionen mit langen, harten
Wintern (lange Frostperioden --> durchfrieren des Bodens) sind
nicht geeignet. Bis -10°C ist man jedoch auf der sicheren Seite. Für "Zimmerüberwinterung"
bei +5 bis +10°C: Die Pflanze leicht feucht halten (ca. alle
3-4 Tage gießen). Die Winterruhe geht bis Ende Jan./Anfang
Februar.
Krankheiten:
Blattläuse:
verträgliche Insektizide (wie z.B. Neudorff Spruzid).
Bei Zimmerpflanzen auch "Pflanzenschutzstäbchen"
(z.B. von Paral) ---> zu beachten: Manche Pflanzenschutzstäbchen
enthalten Dünger!!
Beste Lösung bei "kleinerem Problem" mit Topfpflanzen:
ganz ohne Chemie - die Pflanze für einige Zeit (1/2 bis 1h)
in Wasser untertauchen (um die Blattläuse zu ersticken).

Ein "verunstaltetes" Blatt während/nach Lausbefall.
(Schimmel-)Pilze:
meist nur bei Pflanzen in Zimmerhaltung (hohe Luftfeuchte + schlechter
Luftaustausch) zu finden. Gegenmaßnahmen: Befallene Stellen
entfernen und ein Fungizid einsetzen. Die Pflanze von den Anderen
wegstellen.
Vermehrung:
Samen:
Die Samen sind nach ca. 6 Wochen reif und werden vor der Aussaat
für knapp 2 Monate im Kühlschrank (in feuchten Tüchern
eingepackt) aufbewahrt. Die Samen der Venusfliegenfalle sind Lichtkeimer,
das heißt sie werden nur auf die Erde aufgestreut und nicht
bedeckt. Nach der Aussaat wird viel Licht, eine hohe Luftfeuchtigkeit
und eine Temp. von ca. 25°C +-2°C benötigt. Nach
3-4(5) Wochen bilden sich Pflänzchen. Dauer bis die Pflanze
"erwachsen" ist: 4 (z.t. 5) Jahre.

Blattstecklinge 1:
Anfang Frühjahr ältere Blätter am Ansatz mit
etwas vom Rhizom abbrechen und einpflanzen. Topf mit Folie überziehen.
Blattstecklinge 2:
am besten zwischen Frühjahr bis Anfang Sommer: An der Blattbasis
(möglicht weit unten) kräftige Blätter (jung -
mittleres "Alter") vorsichtig abbrechen und etwa bis
zur Hälfte schräg in ein Sand-Torf-Gemisch (1:1 bis
1:2) oder Sphagnum stecken. Hohe Luftfeuchtigkeit, viel Licht und
eine Temperatur um 20°C sind wichtig. Nach ca. 5-6 Wochen
bilden sich winzige Pflänzchen. Wenn sich mehrere Blätter
richtig gebildet haben können die Jungpflanzen umgesetzt
werden. Erfolgsquote: ca.20-50%

Zeitlicher Verlauf: Frisch eingesetzt, nach 4 Wochen, nach 7 Wochen und nach 9 Wochen.
Hinweis:
Da bei der Vermehrung eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigt
wird (oft wird eine Klarsichtfolie über den Topf gezogen)
besteht erhöhte Schimmelgefahr. Daher Löcher in der
Folie nicht vergessen und für gute Durchlüftung sorgen.
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