Geschichtliches und Naturstandort:
Erste Zeichnungen der Pflanze wurden schon 1576 angefertigt. Die
Erstbeschreibung der Pflanze erfolgte 1788 durch Walter (Thomas
Walter).
Mehrere Varietäten sind bis Heute beschrieben worden: Sarracenia
minor var green stellt die Albino-Form dar, während die Sarracenia
minor var 'Dark Ladies' (1987, Mellichamp & Gardner) wohl
das Gegenteil ist. Sarracenia minor var. Okefenokee Gigant (1991,
Gardner) ist wohl die bekannteste Varietät, während
Ihr Gegenstück die Sarracenia minor var. small (1995, Gardner)
weniger bekannt ist. Natürliche Hybriden wie z.B mit S. psittacina
(= S. formosa) sind bekannt.
Zur Namenswahl: "minor" bedeutet "klein" und
zielt damit auf die Größe dieser Schlauchpflanze (im
Verhältnis zu anderen Sarracenia).
Die englische Bezeichnung für die Sarracenia minor lautet
"hooded pitcher plant".
Frühere, inzwischen ungültige Namen sind Sarracenia
adunca, Sarracenia lacunosa und S. variolaris.
Zu finden ist die Pflanze in den Küstengebieten von der Mitte
Floridas über Georgia bis zum südlichen Teil von North
Carolina. Die besonders hochwachsende, schlankere Form (S. minor
"Okefenokee Gigant") ist in den Okefenokee Sümpfen
(Süd Georgia) zu finden.
S. minor wächst in Feuchtgebieten und - im Vergleich zu anderen
Sarracenia - auch in eher trockeneren Gebieten (besonders in Florida).
Der Standort ist manchmal auch schattiger. Wobei die Pflanzen
von schattigeren Feuchtgebieten größer werden als ihre
"sonnigen Trockengenossen". Der Naturstandort bietet
heiße Sommer (Temperaturen bis über die 30°C im
Süden) und kalte Winter (im Norden des Verbreitungsgebiets
bis zur Frostgrenze). Die Varietät Okefenokee Gigant wächst
teilweise im vollständig überschwemmten Sumpfgebiet.
Die Pflanze selbst:
Sarracenia minor ist eine typische, aufrecht wachsende Schlauchpflanze
mit einem horizintal verlaufendem Rhizom. Sie besitzt ein sehr raffiniertes Mittel, um ihre Opfer anzulocken
und zu täuschen: Den für diese Art sehr charakteristischen
Deckel mit lichtdurchlässigen "Fenstern" an der
Rückseite der Schlauchmündung. Die Schlauchmündung
wird durch den Deckel vollständig überdacht. Der Deckel
und der obere Schlauchteil färben sich bei intensiver Sonnenbestrahlung
bronzerot. Die Varietät Sarracenia minor var 'Dark Ladies'
färbt sich oben intensiv dunkelrot (sowohl außen als
auch innen) und die Varietät green bleibt fast komplett grün.
Die Schläuche werden 25 bis 35 cm lang (vereinzelt 50 cm),
Pflanzen aus dem Okefenokee-Gebiet erreichen 60 - 90 cm (vereinzelt
knapp 1,2 m). Merkmal der Varietät Okefenokee Gigant ist
oft ein etwas längerer Deckel des Schlauches, der über
die Schlauchmündung hinausgeht. Hingegen kein Merkmal für
diese Varietät sind nach außen gewölbte "Fenster".
Der Schlauch kann oben einen Durchmesser von bis zu 3 cm erreichen.
Im Herbst / Winter bildet Sarracenia minor keine Phyllodien aus
- bei längerem, leichten Frost sterben die Schläuche
ab. Wobei die Pflanze (wie auch nach einem kurzen, leichten Buschfeuer)
dann wieder aus dem Rhizom austreibt.
Die hellgelben / schwefelgelben Blüten erscheinen von März
bis Mai. Während der Blüte sind die Schläuche schon
ausgebildet und fangbereit. Die Pflanze kann mit sich selbst bestäubt
werden (selbstfertil) und bildet violettschimmernde Samen mit
einer Größe von knapp 2 mm.
Die Beute: Sarracenia minor scheint besonders Ameisen anzuziehen.
Diese werden oft in großen Zahlen durch Nektarspuren entlang
der Flügelleiste zum Fallenrand hochgelockt. Aber auch Fliegen
und Wespen widerstehen nicht der süßen Versuchung.
Kultur:
Sarracenia minor braucht wie alle Schlauchpflanzen eine Winterruhe
mit einem kühlen Standort. Die kalten, frostigen Nächte
der deutschen Winter mag die Pflanze nicht - die Winterruhe sollte
daher an einem hellen Standort mit Temperaturen von 5-10°C
erfolgen. Das Gießen sollte nur noch sehr sparsam erfolgen
- der Boden soll jedoch Innen immer noch feucht sein. Im Sommer
kann sie problemlos draußen gehalten werden. Es empfiehlt
sich nun das Anstauverfahren, wobei eine Drainageschicht (z.B.
mit Seramis oder anderen gebrannten Tonkügelchen) in den
Topf gehört, so dass das Substrat selbst nicht immer im Wasser
steht. Bei Pflanzen der Varietät Okefenokee Gigant sollte
man natürlich mehr gießen - sie mag es richtig nass.
Soviel Licht wie möglich - volle Sonne schadet nicht.
Eine normale Luftfeuchtigkeit (40-60 %) genügt der Pflanze
vollkommen.
Schädlinge sind eher selten, wobei Läuse am meisten
auftreten und sich über neue Triebe hermachen. Diese können
mit herkömmlichen Mitteln bekämpft werden, wobei gesunde
Pflanzen ein paar Läuse auch problemlos vertragen. Kultur bei mir:
Die Pflanze wächst bei mir inzwischen in einem Terrarium zusammen mit Dionaea muscipula. Im Sommer steht dieses draußen im Garten (wobei man bei
starkem Regen aufpassen muss, dass es sich nicht in ein Aquarium
verwandelt.) Im Winter zieht das Terrarium an einen kühlen
Ort (Treppenhaus) mit Temperaturen um die 10°C.
Interessante Nahaufnahmen des Falleninneren sind hier zu finden:
Ganz Oben: Die Pflanze / der Schlauch im Winter (in der Wohnung) - ganz grün da wenig Sonne vorhanden war.
Direkt überm Text: Der Schlauch mit schöner rotfärbung - die Pflanze steht draussen. Daneben die Abmessung eines grossen Schlauches.
nächstes Bild: Sarracenien fressen nicht nur Insekten, sondern werden auch (leider) angefressen...