Geschichtliches und Naturstandort:
Der Zwergkrug wurde 1791 während einer Expedition von dem Botaniker Archibald Menzies entdeckt. 1806 erhielt die Pflanze
durch Labillardiere ihren botanischen Namen. (Labillardiere verwendete Aufgrund des Blütenaufbaus griechischen Begriff "kefalotus" für den Gattungsnamen. Follicularis stammt von "follicus" und bedeutet "Säckchen" und spielt damit auf die Krüge an.) Der Zwergkrug wird im Englischen als "Albany Pitcher Plant" oder als "Western
Australian Pitcher Plant" bezeichnet.
Es handelt sich beim Zwergkrug um eine monotypische Gattung, d.h. die Gattung "Cephalotus" besitzt nur die Art "follicularis".
Diese Gattung ist weder mit den Schlauchpflanzen (Sarracenia) noch mit den Kannenpflanzen (Nepenthes) direkt verwandt - sie
hat sich also schon vor Millionen von Jahren entwicklungsgeschichtlich getrennt weiterentwickelt.
Zu finden ist der Zwergkrug in den Küstengebieten des Süd-Südwestens Australiens (400km langer und 50km breiter Küstenstreifen zwischen Albany und Busselton)
mit mediterranem Klima. Es zeichnet sich durch kühle, feuchte Winter (Temperaturen zwischen 10 und 20°C, Niederschläge
bei 90-120 mm) und warme, trockene Sommer (Temperaturen zwischen 15 und 25°C, Niederschläge bei 25-60 mm) aus.
An feuchtnassen Standorten (Landzungen, Gräben, Flussniederungen die nie austrocknen) mit leichter Schattierung (hohe Gräser
oder kleineres Buschwerk) und sandigem Torf (pH-Wert um 4,5) hat sich in diesem Gebiet der Zwergkrug niedergelassen. Oft sind dann
regelrechte Pflanzenkolonien zu finden. An einigen Stellen leistet Drosera hamiltonii Gesellschaft. Cephalotus follicularis steht unter Naturschutz.
Die Pflanze selbst:
Cephalotus bildet 2 unterschiedliche Blätter: Im Sommer und Herbst die kleinen (meist 3cm großen - bis 5cm große)
Krüge und ab Ende Herbst/Anfang Winter und im Frühjahr die "normalen" Blätter.
Die Krüge werden am Ende vom Blattstiel gebildet und beginnen als kleine, haarige Kugeln. Nachdem der Krug ausgebildet wurde
öffnet sich der Deckel und ist fangbereit (Verdauungsflüssigkeit schon im Krug). Der Krug ist im Aufbau den Fallen der Kannenpflanze ähnlich, denn er besitzt ein Peristom mit 24 Zähnen. Die Beute werden mittels Nektar am Peristom angelockt
und wagen sich aufgrund des hellen Innenraums (Deckelchen mit lichtdurchlässigen Fenstern) zu tief in die Falle. Die benetzende
Verdauungsflüssigkeit enthält eigene Enzyme die die Nährstoffe aufschließen. Hauptsächlich fallen
Ameisen dem Hunger der Pflanze zum Opfer. Ab und zu trifft es auch andere Krabbelinsekten und nur selten sind Fluginsekten die
Opfer von Cephalotus. Die Krüge färben sich im Sommer bei viel Licht auch rot bis dunkelviolett.
Die grünen, ovalen "Laubblätter" werden auf Grund einer verkürzten Photoperiode (das heißt die
Pflanze erhält pro Tag weniger Stunden Licht) produziert. Diese Winter-Blätter eignen sich ideal zur Stecklingsvermehrung.
Das Wurzelsystem des Zwergkrugs beginnt mein einer dicken senkrecht verlaufenden Hauptwurzel. Daraus entwickelt sich dann ein stark
verzweigtes (ca. 15 cm tiefes) Wurzelsystem. Je besser sich dieses ausbreitet, desto mehr Krüge werden produziert.
Die weiße Blüte (4 mm Durchmesser) erscheint zum Sommeranfang
(Blütezeit: Januar - Februar) und sitzt auf einem bis zu
60 cm langen Blütenstängel. Es sind oft 4 oder 5 Blüten
gleichzeitig geöffnet. Die Blüte besitzt 6 Petalen (Blütenblätter)
und zeiget einen radiärsymmetrischen, 4-zyklischen Aufbau.
12 Staubgefäße (Stamen) und 6 Narben befinden sich
in der Blüte. Die Pflanze kann man mit selbst bestäuben,
wobei manchmal die Pflanze auch selbststeril zu sein scheint.
Cephalotus follicularis bildet pro Blüte 6-10 Samen mit einer
Größe von 0,8 mm Länge und 0,4 mm Durchmesser.
Kultur:
Die Pflanze wächst sehr langsam und ist nicht ganz einfach zu halten. (keine Anfängerpflanze! Auch Profis beklagen sich
immer wieder über den plötzlichen Verlust eines Pflänzchens).
Sowohl im Topf als auch im Terrarium ist die Haltung von Cephalotus erfolgreich. Wichtig ist, dass es Cephalotus hasst umgetopft zu
werden - daher gleich einen Topf mit einer Nummer größer verwenden. Falls ein Umtopfen notwendig wird (bei der Pflanzenheranzucht
oder um das Substrat nach 4-5 Jahren zu erneuern) empfiehlt sich das Frühjahr. Für eine erwachsene Pflanze sollte man
einen Topf mit mindestens 15 cm Tiefe - besser 20 cm verwenden. In der Natur ist der Boden sehr sandig - dies ist bei der Substratmischung
zu beachten. Daher habe ich bei meiner Pflanze 2/3 Torf und 1/3 Quarzsand gemischt. Anstelle des Torfs wird auch manchmal getrocknetes
Sphagnum verwendet. Ebenso wird manchmal statt Quarzsand feines Perlite eingesetzt. Eine hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 60-75%) und
ein ständig feuchter Boden sind ein muss bei der Kultur von Cephalotus. Der Boden darf also nie austrocknen bzw. dauernass
sein (also kein permanentes Anstauverfahren). Das Wasser (sauberes Regenwasser oder destilliertes Wasser) sollte Raumtemperatur haben.
Die Pflanze mag viel Licht - ein Platz am Südfenster empfiehlt sich daher . Eine Zusatzbeleuchtung im Winter wird evtl. erforderlich.
Bei sehr viel Licht färben sich die Krüge schön aus - bleiben aber etwas kleiner. Temperaturen: Zu große
Sommerhitze (über 35°C) ist ebenso schädlich wie eine fehlende Winterruhe bei 10-15°C. Im Sommer sind 20-25°C
zu empfehlen - eine Nachtabsenkung im Sommer von ca. 5°C ist ebenfalls zu empfehlen. Die Pflanze übersteht auch kühlere Nächte - mag sie aber nicht besonders. Richtigen Frost mag Cephalotus gar nicht. Ein Düngen der Pflanzen hat oft ein
absterben der Pflanze zur Folge. Schädlinge sind sehr selten. Meist sind es dann Blattläuse. Hier helfen Mittel wie z.B. das Neudorff Spruzid flüssig.
Weitere wichtige Tipps:
- Nie Wasser in die Krüge: Sie müssen nicht mit Wasser gefüllt werden. Auch beim gießen aufpassen. Hat nämlich
ein Absterben der betroffenen Krüge zur Folge.
- Die Wachstumshilfe "Milchdünger" ist nicht geeignet
- im Normalfall sterben die Krüge dann ab.
- Im Winter nicht vergessen: Kühl und weniger Stunden an Licht.
kurz nach dem Kauf...
etwas später: Bildung eines neuen Krugs (2 Monate "alt) Bild oben: Die Pflanze ist mit der Bildung des neuen Kruges fast fertig: Nur noch der Deckel ist geschlossen.