Blattstecklinge:


Ein immer wieder aufkommendes Thema - nicht nur bei Anfängern, auch bei schon etwas fortgeschrittenen Fleischi-Liebhabern - ist die vegetative Vermehrung mit Blattstecklingen. Dieser Artikel soll hier (hoffentlich) weiterhelfen.

Bei den fleischfressenden Pflanzen kann man wie bei allen anderen Pflanzen zwischen der generativen Vermehrung und der vegetativen Vermehrung unterscheiden.
Die generative Vermehrung entspricht der sexuellen Fortpflanzung (also "Pollen auf Narbe ergibt Samen").
Die vegetative Vermehrung ist eine ungeschlechtliche Vermehrung durch Ausläufer, Stecklinge oder Teilung. Da die neue Pflanze aus Teilen der Mutterpflanze entsteht und besteht ist sie natürlich genetisch genau gleich. Es handelt sich also um einen "Klon".
Ein ganz wichtiger Vorteil der vegetativen Vermehrung ist, dass sterile Hybriden, die zu einer generativen Vermehrung nicht mehr fähig sind, auf diese Weise vermehrt werden können. Ein weiterer interessanter Vorteil ist, dass bei der vegetativen Vermehrung man recht schnell einigermaßen große Pflanzen erhält. Weiterhin kann man auf diese Weise auch seinen Bestand an Pflanzen sehr schnell vermehren, besonders wenn einige Pflanzen selten und wenig Samen bilden.
Nachteile sind natürlich auch vorhanden:
Es findet keine genetische Durchmischung statt. Somit wird die natürliche Anpassung/Änderung gestoppt.

Diese vegetative Vermehrungsmethode funktioniert bei fast allen "weichlaubigen" Karnivoren. Dazu gehören z.B. die in Kultur sehr verbreiteten Gattungen Cephalotus, Dionaea, Drosera (ohne Knollen- und Zwergdrosera) und Pinguicula. (Wichtig: Ausnahmen bestätigen die Regel).
Wie schon der Name "Blattstecklinge" verrät, geschieht die Vermehrung über die Abtrennung von Blättern. Es gibt 2 verschiedene "Wege" von Blattstecklingen:
Weg 1 wird bei Cephalotus und Dionaea praktiziert.
Weg 2 wird bei allen Anderen verwendet.

Weg 1 - Blattstecklinge bei Cephalotus follicularis und Dionaea muscipula.
Bei diesen beiden zufällig monotypischen Gattungen muss das Blatt möglichst nahe an der Blattbasis abgetrennt werden. Also praktisch direkt am "Stamm". Beim Abtrennen der Blätter muss man aufpassen, damit man nicht andere Blätter oder gar die Mutterpflanze beschädigt. Am Besten hält man diese daher fest.
Das Blatt wird möglichst weit unten (mit Teilen der Blattbasis) von der Pflanze abgetrennt und mit dem unteren Teil (der an der Pflanze befestigt war) leicht schräg (etwa im 40° Winkel) in Spahgnum Moos oder eine Sand-Torf-Mischung (1:1 bis 1:2) gesteckt. Etwa 1/3 bis knapp die Hälfte sollte sich "unter der Erde" befinden.
Hohe Luftfeuchtigkeit, viel Licht (evtl. künstlich beleuchten) und eine Temperatur um 20°C sind wichtig. Nach ca. 4-6 Wochen bilden sich winzige Pflänzchen (bei Cephalotus follicularis kann es auch wesnetlich länger dauern). Wenn sich mehrere Blätter (am besten 5 oder mehr) richtig gebildet haben, können die Jungpflanzen umgesetzt werden.
Am besten startet man die Blattstecklingsaktion im Frühjahr und kultiviert die Pflänzchen im Winter durch (also keine Winterruhe).

Oben: Vom Blattsteckling zum Pflänzchen bei Dionaea muscipula. Hier Bilder zu Blattstecklingen bei Cephalotus follicularis

Weg 2 - Blattstecklinge bei Drosera und Pinguicula.
Die wohl einfachste und erfolgreichste Methode: Hier wird das eigentliche Fangblatt abgetrennt und auf das Substrat gelegt.
Ein gesundes Fangblatt das noch Klebetropfen hat ist zu empfehlen.
Einfach das Fangblatt (z.B. mit einer Schere) abtrennen. Bei größeren Blättern wie z.B. bei Drosera capensis kann man dieses in 3-4 Teile schneiden. Bei Pinguicula ist das nichtkarnivore Winterblatt zu bevorzugen. Das abgetrennte Blatt legt man dann mit der tentakelbesetzten Seite nach oben direkt auf das Substrat. Wichtig hierbei ist, dass das Blatt vollständig (mit der gesamten Fläche) den Boden berührt. Hohe Luftfeuchtigkeit, viel Licht und warme Temperaturen sind auch hier ein muß.
Nach ein paar Wochen bilden sich an der Bruchstelle oder an der Blattoberfläche kleine Pflänzchen, die recht schnell heranwachsen. Sobald diese ein ausreichendes Wurzelwerk besitzen, kann man die Pflänzchen umsetzen.


Hier Bilder zu Blattstecklingen bei Drosera capensis

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