Mühlentour Ostdeutschland

 

Unsere letzte große Mühlentour für die DVD führte uns nach Ostdeutschland, dort wollten wir einige außergewöhnliche Mühlen filmen. Die erste Station war Bad Kösen, dort gibt es ein gigantisches Gradierwerk, dessen Sole früher mit Wasserrädern unter Mitwirkung eines Kunstgestänges gefördert wurde. 2 Wasserräder sind noch da, eins läuft leer und das zweite kann das Kunstgestänge antreiben. Leider lief es gerade nicht, sieht aber auch so sehr beeindruckend aus.

 

Im Nachbarort Schulpforte, der auf ein altes Kloster zurückgeht, befindet sich eine der letzten legendären Panstermühlen von Deutschland. Ein Wasserrad ist leider nicht mehr da, aber die Antriebstechnik im Inneren kann man noch gut erkennen. Man sieht den Bereich in der zugemauerten Wand, wo früher das Wasserrad samt Achse in die Höhe gezogen wurde, die Ketten sind noch da zusammen mit dem Pansterzeug und auch das Handrad zum Aufwickeln der Ketten mitsamt Arretierung.Wie bei einem Ziehpanster scheinbar üblich konnten die Achsen ausgekoppelt werden mit einem Hebel, der ähnlich wie eine Weiche bei der Eisenbahn funktioniert.
Die Mühle befindet sich auf dem Gelände der Landesschule Pforta, wenn man sie besuchen möchte, sollte man sich vorher anmelden, da sie ansonsten nicht zugänglich ist.

 

Eine weitere beeindruckende Panstermühle liegt in Wallendorf bei Merseburg, hierbei handelt es sich um einen Kniepanster. Das marode Wasserrad ist noch vorhanden und auch die Inneneinrichtung in dem mehrstöckigen Gebäude sieht noch vollständig aus. Die Besitzer träumen davon, sie eines Tages wieder laufen zu lassen, aber bis dahin dürfte es noch ein langer und kostspieliger Weg sein, auch wenn die Mühle am Mühlentag regen Zulauf hatte. Der Kniehebel ist aus Holz und mußte das gewaltige Zuppingerrad aushalten, das mit seiner ungeheuren Kraft die gesamte Inneneinrichtung der ehemaligen Industriemühle antrieb. Mit Hilfe einer Handkurbel konnte man die Achse anheben. Die Vorrichtung im letzten Bild konnte ich nicht ganz einordnen, die Stoffschläuche sehen ähnlich aus wie die, welche von einem Plansichter abgehen, allerdings sind sie oben geschlossen. Das Metallrohr links mit dem Ventilator könnte allerdings darauf schließen lassen, daß es sich hierbei um einen Luftfilter gehandelt hat. Wer genaueres weiß, kann es mir gerne mitteilen. Ein Lastenaufzug befindet sich ebenfalls im Gebäude.

 

Am nächsten Tag ging es in Schneeberg in das Pochwerk. Hier wurde früher Gestein aus dem Bergbau zerstampft, um Metalle besser extrahieren zu können. Heute ist das Gebäude ein Museum, die Stampfen werden von einem oberschlächtigen Wasserrad mit 6 m Durchmesser angetrieben. Mit Hilfe von Wasser wurde damals auf einer schwingenden Unterlage der feine Sand vom schwereren Metallerz getrennt. Von den zahlreichen Pochwerken der Region ist es das letzte mit funktionierendem Wasserradantrieb.

 

Weiter in Richtung Tschechischer Grenze liegt in Zwönitz/Dorfchemitz eine Knochenstampfe, deren erneuertes Wasserrad leider gerade nicht genug Wasser zur Verfügung hatte, so daß die Stampfen sehr unregelmäßig angehoben wurden.

 

Noch weiter östlich liegt in Börnichen romantisch in einem Waldgebiet die Schwarzmühle. Früher beherbergte das Grundstück noch 2 weitere Mühlen, von denen mittlerweile aber nur noch die als Wohnhaus genutzten Gebäude da sind. Der Antrieb erfolgt durch eine Francis Spriralturbine, die seit 1923 fehlerfrei läuft. Angetrieben wird damit eine Drechselbank. Der Besitzer vollführt noch das seltene Handwerk des Formstechens und erzeugt auf diese Weise kleine Kunstwerke aus Holz, die man als Dekoration oder auch Geschirr bzw. Hilfsmittel für die formschöne Präsentation von Butter verwenden kann.

 

Im Nachbarort Grünhainichen nicht weit von der Schwarzmühle entfernt befindet sich die Spanziehmühle. Dort wurden mit einem vom Wasserrad angetriebenen großen Hobel Holzspäne gezogen und daraus dekorative Spanschachteln gefertigt. Zu besonderen Anlässen ist die Mühle noch in Funktion, ansonsten kann man in der romantischen kleinen Gaststube im ersten Stock kühle Getränke genießen.

 

Das alles und noch viel mehr können Sie demnächst auf unserer DVD "Wassermühlen-Romantik" erleben.